Unlautere Wahlwerbung?
Veröffentlicht von Dietmar Lehmann in WIP · 30 Juni 2025
Unlautere Wahlwerbung?
Zur
Diskussion um den Kita-Besuch des Bürgermeisterkandidaten Umut
Bedlek
Stellungnahme
der Wählergemeinschaft Porta e.V.
von
Dietmar Lehmann
Die
Wählergemeinschaft Porta nimmt Stellung zur aktuellen Diskussion
rund um den Besuch eines unabhängigen Bürgermeisterkandidaten in
einer Holzhauser Kindertagesstätte. Umut Bedlek hatte die
Einrichtung besucht, um sich ein Bild von der Situation in den
Kindergärten zu machen. Dabei verteilte er ein Malbuch mit seinem
Konterfei an Kinder und ließ auf Wunsch der Einrichtung einige
Broschüren da. Das ruft Kritik hervor und den städtischen
Wahlleiter auf den Plan.
Diese
Aktion mag angesichts des bevorstehenden Wahlkampfs als unangemessen
betrachtet werden. Schließlich sollten Schulen und Kindergärten zur
politischen Neutralität verpflichtet sein. Auch wir als
Wählergemeinschaft lehnen Wahlkampfwerbung in Betreuungs- und
Bildungseinrichtungen konsequent ab, wobei die Grenzen zwischen
Wahlwerbung und einem politischen Informationsbedürfnis sicherlich
fließend sind. Ratsmitglieder aber auch Bürgermeisterkandidaten
sollten das Recht haben, sich vor Ort über die frühkindliche
Bildung bzw. schulische Situation zu informieren und Gespräche mit
Erzieherinnen und Erziehern, Schulleiterinnen und Schulleitern zu
führen.
Bereits
im Februar hatte eine Ratsfraktion die Notgruppe der ESG Lohfeld
besucht. Auch dieser Termin wurde im Mindener
Tageblatt sowie
in sozialen Netzwerken dokumentiert – einschließlich eines
Gruppenfotos vor Ort. Aus dem veröffentlichten Artikel geht jedoch
nicht eindeutig hervor, ob der Besuch während des laufenden
Kitabetriebs oder außerhalb der regulären Betreuungszeiten
stattfand. Unabhängig davon wurde dieser Besuch öffentlich nicht
kritisiert und blieb auch seitens der Verwaltung ohne Reaktion. Im
Lichte der aktuellen Debatte stellt sich daher die Frage, ob mit
gleichem Maß gemessen wird – oder ob persönliche oder politische
Motive eine Rolle bei der Einordnung solcher Besuche spielen.
Was
die Wählergemeinschaft in der aktuellen Debatte jedoch besonders
erschüttert hat, waren die rassistischen Äußerungen in den
sozialen Medien als Reaktion auf den Besuch des
Bürgermeisterkandidaten. Aussagen wie „Muselmänner haben in
deutschen Kindergärten nichts zu suchen“ oder „Du wirst niemals
jemand von uns“ überschreiten nicht nur jede Grenze des Anstands,
sondern sind klar rassistisch. Solche Hetze darf nicht unbeantwortet
bleiben – sie gehört strafrechtlich verfolgt. Wir begrüßen
ausdrücklich, dass die SPD diese Entgleisungen umgehend verurteilt
hat. In einer Demokratie ist es unerlässlich, dass alle
demokratischen Kräfte gemeinsam und entschieden gegen Rassismus und
Ausgrenzung eintreten.
Darüber
hinaus begrüßen wir als Wählergemeinschaft, dass sich mit Umut
Bedlek ein weiterer Bürgermeisterkandidat zur Wahl stellt. Damit
haben die Bürgerinnen und Bürger in Porta Westfalica eine echte
Wahlmöglichkeit – auch vor dem Hintergrund, dass sich die drei
großen Parteien auf eine gemeinsame Kandidatin verständigt haben.
Eine lebendige Demokratie lebt von Wettbewerb, Vielfalt und fairen
Auseinandersetzungen. Dass sich Menschen mit Migrationshintergrund
zunehmend in der Kommunalpolitik engagieren, ist ein Gewinn für
unsere Gesellschaft. Hier wäre Anerkennung für jemanden, der sich
als unabhängiger Kandidat zur Wahl stellt und als Bürgermeister mit
Transparenz und Bürgernähe Verantwortung für das Zusammenleben
übernehmen will, auch angebracht gewesen.