Haushaltsrede der WP vom 5. Mai 2025
Haushaltsrede der Wählergemeinschaft Porta vom 05.
Mai 2025
Von Dietmar Lehmann
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
sehr geehrte Ratskolleginnen und -kollegen,
meine Damen und Herren,
sehr geehrte Ratskolleginnen und -kollegen,
meine Damen und Herren,
wir verabschieden heute den Doppelhaushalt 2025/26 und machen wir uns
nichts vor, die finanzielle Lage unserer Stadt ist alarmierend. Die
Zahlen im Detail sind bekannt, sie sprechen für sich.
Damit sind wir bei dem Thema Haushaltskonsolidierung. Sie ist
angesichts eines prognostizierten Defizits von rund 40 Millionen
Euro bis zum Jahr 2029 keine Option – sie ist eine
Notwendigkeit. Nicht zu handeln wäre verantwortungslos!
Fehlende konkrete Schritte zur
Haushaltskonsolidierung
Was uns dann als Wählergemeinschaft allerdings mehr als verwundert
hat, war die Tatsache, dass trotz tiefroter Zahlen – die
bereits seit Mitte des letzten Jahres bekannt waren – bis Anfang
des Jahres öffentlich sichtbar wenig unternommen wurde, um konkrete
Schritte zur Haushaltskonsolidierung einzuleiten.
Um an dieser Stelle nicht falsch verstanden zu werden, sicher – in
den einzelnen Fachausschüssen wurde und wird bis heute um mögliche
Einsparungen gerungen, allerdings – und das sagen wir an dieser
Stelle aber ganz klar und deutlich – hatten und haben diese
Debatten nur sehr wenig mit einer nachhaltigen und schon gar nichts
mit einer strategischen Haushaltskonsolidierung zu tun.
Dabei gab es bereits schon im letzten Jahr in der Vorlage zur ersten
Beratung des Haushaltsplanentwurfs städtischerseits einen deutlichen
Hinweis. Nachzulesen war, dass angesichts der Haushaltszahlen
Maßnahmen zur Konsolidierung verwaltungsseitig und politisch zu
erarbeiten sind. Diese sollten sukzessive in den Haushaltsplan
eingearbeitet werden.
Nun, wir wissen alle, dies ist bis heute nicht passiert. Hier hätten
wir uns als WP – und das sage ich an dieser Stelle ganz deutlich
auch an die Adresse der Bürgermeisterin – etwas mehr Nachdruck und
einen früheren Einstieg in die Debatte gewünscht.
Angesichts eines Defizits von ca. 40 Millionen Euro bis zum Jahr 2029
sollten Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ganz oben auf der
Agenda städtischen Handelns stehen. Es reicht einfach nicht aus,
finanzielle Herausforderungen nur rechtzeitig aufzuzeigen.
Dabei hatten wir als Wählergemeinschaft bereits schon Anfang Oktober
letzten Jahres einen Einstieg in eine strategische
Haushaltskonsolidierung gefordert. Wir haben die Einrichtung einer
Lenkungsgruppe vorgeschlagen. Wir haben dargelegt, dass dieser
Prozess ein strategisches Zielsystem benötigt – eine politische
Priorisierung, eine Klarheit über das, was wir uns leisten können
und wollen.
Was war die Antwort? Die Ablehnung durch alle anderen Fraktionen, zu
guter Letzt wurde uns sogar fraktionsübergreifend die gelbe Karte
gezeigt.
Kritik an pauschalen Kürzungsvorschlägen
Gleichzeitig folgten zu diesem Zeitpunkt pauschale
Kürzungsvorschläge – etwa die von SPD und FDP geforderte
2-Prozent-Kürzung über alle Produktbereiche hinweg. Dieses
Rasenmäherprinzip ist politisch bequem, aber sachlich
fragwürdig.
Weder in der Summe bietet der Vorschlag eine tragfähige Perspektive
für eine Haushaltskonsolidierung, noch ist eine nachhaltige
Strategie erkennbar – ganz abgesehen davon, dass hier die
politische Verantwortung einseitig auf die Verwaltung abgeschoben
würde.
Noch befremdlicher wurde es, wenn in Diskussionen vage von
Einsparpotenzialen in Höhe von einer Million bei den freiwilligen
Leistungen gesprochen wurde, ohne konkret zu benennen, was genau
gestrichen werden soll. Vielleicht sollte man sich in diesem
Zusammenhang vergegenwärtigen, dass alle freiwilligen Leistungen
zusammen gerade einmal etwa 2,5 Millionen Euro ausmachen. Wer hier
pauschal sparen will, muss auch sagen, was das konkret bedeutet:
weniger Kultur, weniger soziale Angebote, weniger Beteiligung.
Und wer bei der Lüftung von Klassenräumen oder bei der Qualität
von Baumaterialien sparen will, muss sich fragen lassen, was ihm die
Bildung unserer Kinder wert ist, wenn solche Einsparpotenziale
vorgeschlagen werden.
Meine Damen und Herren,
soweit der kurze Exkurs zur vorangegangenen Haushaltsdebatte. Im
April nun dieses Jahres – sieben Monate, ja sieben Monate
nach unserem Antrag auf Einrichtung eines interfraktionellen
Arbeitskreises zur strategischen Haushaltssteuerung im HFA – fand
endlich eine Haushaltsklausur statt.
Erstmals wurden verwaltungsseitig Einsparpotenziale und Prüfaufträge
vorgestellt und diskutiert – ein längst überfälliger Schritt.
Vorgelegt wurde eine mehrseitige Liste mit über 40 möglichen
Einsparvorschlägen. Vieles erscheint sinnvoll, anderes wiederum
diskussionswürdig. Aber was insgesamt fehlte, war die Richtung.
Fehlende Zielsetzung – Wohin geht die Reise?
Wo wollen wir – wenn wir über Einsparungen reden – eigentlich
konkret ansetzen? Etwa bei der Anpassung der Entgelte für
Ferienspiele, beim Zuschuss für die Tafel, bei der
Flüchtlingssozialarbeit, bei der Schülerbeförderung oder beim
Angebot für den Öffentlichen Nahverkehr?
Oder wollen wir lieber Gebäude und Grundstücke, die sich im Besitz
der Stadt befinden, verkaufen – wohlwissend, dass damit
strukturelle Probleme nicht gelöst sind?
Anders gesagt, besteht hier nicht eher die Befürchtung, dass wir uns
angesichts der Fülle von Vorschlägen in Einzelfragen verlieren?
Notwendigkeit eines strategischen Zielsystems
Nein, was wir nach unserer Auffassung brauchen, ist zunächst ein
Zielsystem, das – abgestimmt auf die Fachbereiche – politische
Leitlinien für die kommenden Jahre definiert. Nur so können wir
zielgerichtet künftige Maßnahmen und Schlüsselprojekte ableiten
und letztendlich entscheiden, was wir uns als Stadt in welchem Umfang
zukünftig leisten wollen und vielleicht auch nur leisten können.
Dabei ist es uns wichtig, dass wir die Bürgerinnen und Bürger am
Konsolidierungsprozess beteiligen – Haushaltskonsolidierung ist
kein Verwaltungsvorgang, sie betrifft alle.
Transparenz und Bürgerbeteiligung
Die Menschen in unserer Stadt haben ein Recht darauf zu
erfahren, wie wir ihre Steuergelder verwenden – und welche
Prioritäten wir setzen. Bisher wurde diese Transparenz
nicht ausreichend geleistet. Wir fordern daher eine frühzeitige
und ehrliche Kommunikation, in der nicht nur die Notwendigkeit von
Einsparungen benannt wird, sondern auch deren Auswirkungen.
Personalkosten und Stellenplan – Eine
differenzierte Betrachtung
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Stellenplan. Immer wieder wird
pauschal ein Stellenabbau gefordert. Doch wer so argumentiert,
verkennt die Realität. Die Personalkosten steigen – ja. Aber das
liegt nicht allein an der Stellenzahl, sondern auch an tariflichen
Entwicklungen und Aufgabenmehrungen. Wir brauchen daher keine blinde
Kürzung, sondern eine intelligente Organisationsentwicklung.
Effizienzsteigerung durch Digitalisierung, durch Abbau von
Doppelstrukturen, durch klarere Prozesse – das ist der Weg. Wir
begrüßen, dass die Verwaltung – wie sie uns glaubhaft in einem
Gespräch versichert hat – hier bereits Initiativen angestoßen hat
und langfristig denkt.
Zukunftsfähige Wirtschaftspolitik – Ein
elementarer Bestandteil der Konsolidierung
Und schließlich: Konsolidierung bedeutet nicht nur Sparen –
sondern auch Einnahmen sichern. Das Gewerbesteueraufkommen ist
rückläufig. Wir dürfen uns nicht länger darauf verlassen, dass es
sich stabilisiert. Vielmehr müssen wir die Wirtschaftsförderung
strategisch aufstellen. Wir müssen Gewerbeflächen entwickeln,
Unternehmen an uns binden, Gründerinnen und Gründer unterstützen.
Eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik ist keine Nebenaufgabe,
sie ist ein zentrales Element kommunaler Handlungsfähigkeit.
Damit komme ich zum Schluss meiner Haushaltsrede,
die jetzt vorgelegten Haushaltszahlen lassen uns keine Wahl: Wir
müssen handeln – strategisch, vorausschauend, gemeinsam.
Ein „Einfach-weiter-so“ darf es nicht geben.
Wir müssen benennen, was wir uns leisten wollen und können. Wir
müssen entscheiden, was uns wichtig ist – und was nicht. Daher
gilt es, notwendige Konsolidierungsbemühungen mit klaren
strategischen Zielen zu verzahnen.
Als WP haben wir in unseren Anträgen und Presseveröffentlichungen
dazu bereits im letzten Jahr erste Verfahrensvorschläge gemacht.
Uns ist auch klar, dass ein solcher Konsolidierungsprozess immer
schmerzhaft und konfliktträchtig sein wird, weil er unvermeidlich
vielfältige Interessenlagen berührt – letztendlich ist er aber
alternativlos, wollen wir als Stadt handlungsfähig bleiben.
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
sehr geehrte Ratsmitglieder,
meine Damen und Herren,
sehr geehrte Ratsmitglieder,
meine Damen und Herren,
wir kritisieren den vorliegenden Haushaltsentwurf 2025/26 wegen
einer fehlenden Gesamtstrategie zur Haushaltskonsolidierung, stimmen
dennoch dem hochdefizitären Doppelhaushalt und dem dazugehörigen
Stellenplan unter Vorbehalt zu, um dringend notwendige Investitionen
in Schulen und Kitas vornehmen zu können.
Gleichzeitig fordern wir den umgehenden Beginn einer
fraktionsübergreifenden strategischen und nachhaltigen
Haushaltskonsolidierung.
Wir bleiben gleichzeitig dabei, dass wir angesichts der vielfältigen
Fragestellungen und Entscheidungsebenen eine gemeinsame
Steuerungsgruppe brauchen. Ein solches Vorgehen ist in vielen Städten
längst Standard. Warum nicht auch in Porta Westfalica?
Ich darf zum Schluss auch noch die Gelegenheit nutzen, mich im Namen
der Wählergemeinschaft bei Herrn Korsen für seine langjährigen
Verdienste für die Stadt zu bedanken. Herr Korsen, genießen Sie
Ihren wohlverdienten Ruhestand – Ihnen dafür alles Gute!
Ich danke allen für Ihre Aufmerksamkeit.