Klares Bekenntnis zur Musikschule
Veröffentlicht von Dietmar Lehmann in Fraktion · 27 März 2025
Klares
Bekenntnis zur Musikschule
Feierlicher Festakt zum 50-jährigen
Bestehen der Schönberg Musik- und Kunstschule
von
Dietmar Lehmann
Der
feierliche Festakt im Bürgerhaus zum 50-jährigen Bestehen der
Schönberg Musik- und Kunstschule der Stadt Porta Westfalica war ein
voller Erfolg. Nicht nur wegen der eindrucksvollen Musikdarbietungen,
sondern auch, weil in vielen der Redebeiträge deutlich wurde, dass
sie aus der kommunalen Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken ist.
Sie ist nicht nur ein Ort des Musizierens und der Musikpädagogik,
sondern auch Zentrum der Kunst- und Kulturvermittlung sowie des
Austauschs und der Begegnung. Sie bietet Kindern und Jugendlichen
auch im Rahmen von schulischen Kooperationen die Möglichkeit zum
aktiven Musizieren und fördert künstlerische Talente. Dafür
gebührt allen, die in den letzten 50 Jahren dazu beigetragen haben,
ein ganz besonderer Dank.
Die
Auswirkungen des „Hardenberg-Urteils“ auf Musikschulen
Der
Festakt verdeutlichte zugleich aber auch, dass unsere Musikschule in
der Vergangenheit sowie in der Gegenwart mit zahlreichen
Herausforderungen konfrontiert war und ist. Auch wenn die Zeiten der
Haushaltssicherung längst Vergangenheit sind, bleibt die Frage der
finanziellen Unterstützung durch die Stadt angesichts der
angespannten Haushaltslage weiterhin relevant. Besonders durch das
sogenannte „Hardenberg-Urteil“ des Bundessozialgerichts geraten
Musikschulen insgesamt zunehmend unter Druck. Dieses Urteil
verpflichtet sie dazu, ihre Honorarlehrkräfte künftig
sozialversichert anzustellen. Die dadurch entstehenden Mehrkosten
stellen eine erhebliche finanzielle Herausforderung für viele
Musikschulen dar, insbesondere für kleinere Einrichtungen in
kommunaler Trägerschaft.
Wertschätzung
und Stärkung des Berufsbildes
Gerade
weil die Arbeit unserer Musik- und Kunstschule von dem gewaltigen
Engagement der Einzelnen lebt, stehen Politik und Verwaltung in der
Verantwortung, dass die Arbeit der Musikpädagoginnen und -pädagogen
eine finanziell andere Wertschätzung erfährt. Für die Stadt Porta
würde sich bei der Umsetzung des Bundessozialgerichtsurteils ein
zusätzlicher finanzieller Bedarf errechnen. Hier sollte trotz der
angespannten Finanzsituation ein klares Zeichen gesetzt werden und
zur Stärkung des Berufsbildes das sogenannte Hardenberg-Urteil
entsprechend umgesetzt werden.
Denn
langfristig können nur durch angemessene Vergütung und soziale
Absicherung qualifizierte Fachkräfte für die musikalische Bildung
gewonnen und gehalten werden.
Inklusion
und finanzielle Zugänglichkeit der Musikschule für alle
Klar
sollte aber auch sein, dass die Finanzierungslücke nicht durch
höhere Unterrichtsgebühren geschlossen werden darf, da dies dazu
führen würde, dass sich immer weniger Eltern das Angebot der
Musikschulen leisten können. Insbesondere vor dem Hintergrund der
vom Verband Deutscher Musikschulen postulierten Leitidee einer
inklusiven Gesellschaft, die eine „Musik- und Kunstschule für
alle“ fordert, darf in schwierigen Haushaltslagen nicht an der
Gebührenschraube gedreht werden.
Musikschulen
als Orte der sozialen Integration und kulturellen Vielfalt
Musikschulen
sind nicht nur Bildungseinrichtungen, sondern auch zentrale Orte der
sozialen Integration. Sie ermöglichen Kindern und Jugendlichen,
unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, den Zugang zu künstlerischer
Bildung. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spaltung
leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Chancengleichheit und
kulturellen Teilhabe. Dabei fördern sie nicht nur musikalische
Fertigkeiten, sondern auch soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit,
Disziplin und Empathie.
Anpassung
der Musikschule an den gesellschaftlichen Wandel
Dies
gilt umso mehr, da in einer zunehmend heterogenen Gesellschaft die
Teilhabe aller am kulturellen Leben von zentraler Bedeutung ist.
Während Individualisierung, neue gesellschaftliche Ungleichheiten,
Migration und Digitalisierung das soziale Gefüge verändern, steht
die Musik- und Kunstschule vor der Herausforderung, ihre
Bildungsangebote an diese Entwicklungen anzupassen. Hier hat sie
bereits weitreichende Maßnahmen ergriffen: In Kooperation mit
Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen bietet sie
Unterricht für alle Altersgruppen – vom Baby-Musikgarten bis hin
zu musikalischen Angeboten für Senioren.
Die
Bedeutung des Offenen Ganztags für die musikalische Früherziehung
Angesichts
der Tatsache, dass Grundschülerinnen und -schüler bereits heute
mehr Zeit in der Schule verbringen und somit für außerschulische
musische Bildungsangebote weniger Raum bleibt, sollte auch der Offene
Ganztag verstärkt in den Blick genommen werden. Besonders im Bereich
der musikalischen Früherziehung können hier Kinder erreicht werden,
die bislang keinen Zugang zur Musik hatten. Eine engere Verzahnung
zwischen Musikschule und Ganztagsschule könnte dazu beitragen, dass
Musik stärker in den Schulalltag integriert wird. Von daher sollte
gerade die Einbindung und Aktivierung gesellschaftlicher Gruppen, die
besonderer Unterstützung bedürfen – wie die Förderung von
bildungsbenachteiligten Zielgruppen –, als eine weiter zu stärkende
Kernaufgabe definiert werden.
Die Zukunft der Schönberg Musik- und
Kunstschule: Unterstützung und Weiterentwicklung
Vor dem
Hintergrund anhaltend knapper Kassen sollte im Rahmen einer
zukunftsorientierten Kommunalpolitik auch ein Bildungsverständnis
gefordert werden, das auf Kooperation und Synergien setzt. Statt
isolierter „Kirchturmpolitik“ in einzelnen Bereichen der
Daseinsfürsorge sollten Nachbarkommunen gemeinsam nach Strategien
suchen, um durch engere inhaltliche Zusammenarbeit und personelle
Verzahnung in ihren Kultureinrichtungen Synergien zu schaffen. Ein
erster Schritt könnte darin bestehen, für Musik- und Kunstschulen
gemeinsame Handlungsfelder zu identifizieren und daraus
Kooperationsangebote zu entwickeln und zu erproben. Ein
solcher Ansatz könnte die Attraktivität der regionalen
Bildungslandschaft erhöhen und gleichzeitig dazu beitragen,
finanzielle Ressourcen besser zu nutzen, indem doppelte Strukturen
vermieden und gemeinsame Projekte optimiert werden.
Was
bleibt: Politik und Verwaltung müssen auch in Zukunft alles tun,
damit die Schönberg Musik- und Kunstschule ihren Beitrag zur
musikalischen und künstlerischen Bildungsarbeit leisten kann. Sie
hat alle Unterstützung verdient, letztendlich ist sie Teil der
Daseinsvorsorge und zu wertvoll, um durch falsche Entscheidungen
beschnitten zu werden.